Franziska Mencz
Wie bist du zum UnionTheater gekommen?
Ich wurde dem UnionTheater vor ein paar Jahren wohl empfohlen, damals aufgrund der Regie-Arbeit, die ich in den Jahren davor am Statt-Theater Vegesack gemacht hatte. Meine erste Regie am UnionTheater war vor zwei Jahren „Die Wunderübung“.
Was gefällt dir besonders am Regieführen?
Es ist spannend für mich, die Prozesse, die ich sonst als Schauspielerin „von innen” erlebe, beim Regieführen quasi „von außen” mit zu begleiten. Wobei: So sehr „von außen” ist das gar nicht; ich habe auch beim Regieführen bei jeder Probe das Gefühl ganz mit einzusteigen.
Wie ist es für dich, mit „Amateurschauspielern“ zu arbeiten?
Ich würde da gar keine allzu großen Unterschiede machen wollen. Das Wichtigste für mich in der Zusammenarbeit ist Offenheit, Neugier auf Neues und der Mut, die schon bekannten Grenzen, die wir ja alle haben, hier und da auch mal auszuweiten und die uns bekannten Räume zu erweitern.
Was war für dich ein außergewöhnliches Erlebnis auf oder hinter der Bühne?
Oh, da fallen mir auf Anhieb mehrere ein… aber das würde ein längerer Text. Was ich generell sagen kann: Am schönsten ist es für mich, wenn das Stück, der Text, die Rolle, das Thema, das gemeinsame Spiel, die Führung übernimmt, und ich selbst mich da dann mit hineinbegeben, mich dem überlassen kann. Und selten spüre ich die “jetzt”-Zeit so intensiv wie während des Spielens. Das liebe ich.
Wie war die Zusammenarbeit mit den „Acht Frauen“ für dich?
Ich habe vor dieser Regiearbeit nur im theaterpädagogischen Kontext mit größeren Gruppen gearbeitet. Die Stücke, bei denen ich an Theatern Regie geführt habe, waren sonst Stücke mit einer bis drei Personen. Also war es für mich auch etwas Neues und zu Beginn ganz schön aufregend, mit einem Ensemble von acht Spielerinnen zu arbeiten.
Umso mehr freut es mich, wie sehr die Proben von gegenseitigem Vertrauen geprägt waren, und wieviel Spaß und Spielfreude wir alle miteinander entwickelt haben. Es sind ja hier – nicht nur im Stück – acht ganz unterschiedliche Persönlichkeiten auf der Bühne; alle mit ihren eigenen Stärken und Schwächen – und alle bekommen ihren Raum. Das ist toll und schon auch eine Herausforderung! Eine wirklich sehr, sehr schöne, lebendige und kraftvolle Zusammenarbeit.
Ansgar Matuschak
Mit diesem Stück führst du nach dem erfolgreichen „Tratsch im Treppenhaus“ zum zweiten Mal Regie beim UnionTheater. Wie kam es erneut dazu?
Es war ein wenig den Umständen geschuldet. Einerseits müssen wir – zu Beginn der neuen Spielzeit – sehr auf unsere Produktionskosten achten, da ein öffentliches Förderprogramm zur Unterstützung während der Pandemie Ende 2022 eingestellt wurde. Andererseits hatten wir schon länger das Gefühl, mit unserer langjährigen Erfahrung als Schauspieler auch die Sparte Regie erfolgversprechend abdecken zu können. Und ich konnte vor gut 25 Jahren bereits einmal Regie bei einer anderen Bühne führen.
Wie sind deine ersten Erfahrungen? Was gefällt dir besonders und wo liegen vielleicht auch Schwierigkeiten?
Es ist aufregend, gewissermaßen die Seite zu wechseln, vor allem wenn man aus dem gleichen Stall kommt. Werden meine Kolleginnen und Kollegen meine Vorschläge und Vorstellungen umsetzen und werden sie sich ein wenig auch führen lassen? Aber Dank eines großartigen Ensembles an meiner Seite sind diese Bedenken schnell verflogen und es war eine äußerst kreative und mitreißende Probenzeit, in der jede(r) Einzelne und wir als Team
großartig zusammengewirkt haben.
Wie haben die Darsteller reagiert, nachdem du viele Jahre mit ihnen als Akteur auf der Bühne standest?
Obwohl es über Jahrzehnte bei unserem Union Theater verpönt war und abgelehnt wurde, die Regie aus den eigenen Reihen zu besetzten, wurde mir erneut sehr großes Vertrauen entgegengebracht. Und alle haben mit viel Spaß und enormer Energie ihre Rollen erarbeitet und ausgefüllt – und auch ‚Anregungen‘ meinerseits positiv aufgenommen. Natürlich muss erwähnt werden, dass – bis auf Nele, die das erste Mal auf der Bühne steht – ‚Zirkuspferde‘ mit jahrzehntelanger Erfahrung in dem Stück mitwirken. Da war es gewissermaßen ‚a piece of cake‘, mich einzubringen…
Gibt es ein Stück, bei dem du gerne mal Regie führen möchtest?
Kein spezielles, denn diese Komödie, die auch gesellschaftskritische Situationen und zwischenmenschliche Konflikte stärker herausstellt als ‚Tratsch im Treppenhaus‘, war genügend Herausforderung und Ansporn.
Christoph Jacobi
Ausgebildet an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, arbeite ich seit 1995 als professioneller Schauspieler an vielen guten Theatern in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Engagements führten mich unter anderem nach Berlin, Dresden, Zürich, Bregenz und Bremen – um nur einige Städte zu nennen. Damit einher gehen zahlreiche Film- und Fernsehauftritte im „Tatort“, bei den „SOKOs“, „Stubbe“, „Marie Brand“ sowie in dem Film „Aimée & Jaguar“. Auch Produktionen wie „Deutschland ‘09“, das „Großstadtrevier“ und Fernsehdokumentationen wie „Die Deutschen II“ sowie „Die Affäre Borgward“ zählten dazu.
Seit 2005 unterrichte und leite ich verschiedene Schauspielgruppen wie das Theater am Mühlenberg, die Stage Akademie, die Youth theatre company, die Task Schauspielschule, sowie die Theatergruppe „Wie bitte?“ und der Volkshochschule Bremen. Außerdem führe ich Regie an der Bremer Shakespeare Company, am Schnürschuhtheater Bremen, dem Statttheater Vegesack und nun erstmals am UnionTheater.
Stefan Lüers
Warum mache ich Regie?
Vom Reiz der Aufgabe mal ganz abgesehen, haben die Jahrzehnte meiner eigenen schauspielerischen Aktivitäten – nunmehr im 38. Jahr – zunehmend zu der Erkenntnis geführt, dass mir ein hinreichend Maß an Expertise zur Verfügung steht, die sich in dramaturgischem Spiel nicht nur umsetzen, sondern auch vermitteln lässt. Hatte mich immer öfter dabei ertappt, Regie-Anweisungen für das eigene Spielen auch selbst herzuleiten.
Eigenregie – das klappt!
Wir sind mitnichten an dem Punkt, den Wert des „professionellen Blickes von draußen“ nicht angemessen zu schätzen. Gleichwohl hat der Tabu-„Bruch“ mit der Geschichte erst kürzlich trefflich funktioniert: Anfang des Jahres reüssierte Kollege Ansgar Matuschak mit der Inszenierung des Klassikers „Tratsch im Treppenhaus“. Hier gelang es deutlich, aus dem Ohnsorg-Schatten hervorzutreten und ein „selbsttätig atmendes“ Stück zu präsentieren.
Was macht die Sache – z.B. für dieses Stück – so „spannend“?
In der Regie lernt man ja nicht „einfach seinen“ Text. Vielmehr muss man versuchen, sich gewissermaßen die Kleider aller Beteiligten – Akteure wie die sog. ‚Schwarzen‘ – überzuziehen. Spannend ist auch, wie die Schauspieler – neue wie auch insbesondere die langjährigen, erfahrenen Wegbegleiter – damit umgehen, wenn plötzlich einer aus ihrer Mitte den „Schlaumeier“ gibt. Immer ist Regie Teamwork; und das gilt bis ins Kleinste. Die mehr oder weniger reichliche Erfahrung auch der Mitstreiter trägt erheblich zum Gelingen bei – das ist insgesamt schon eine sehr konstruktive, dynamische Angelegenheit.
Ich freue mich sehr über meinen Teil…
Christian Bergmann
Christian Bergmann studierte „Schauspiel“ an der Spielstatt Ulm von 1992 bis 1996. Darauf folgten Engagements in Ulm, Erfurt, Köln und Krefeld. Von 2002 bis 2009 war er festes Ensemblemitglied bei der bremer shakespeare company. Seit 15 Jahren ist er freischaffend als Schauspieler und Regisseur tätig.
Seit 2004 arbeitet er als Sprecher im Tonstudio für zahlreiche Produktionen (u.a. für arte, Radio Bremen, Universal, Deutsche Grammophon/Literatur). Seit 1993 ist Christian Bergmann im Fernsehen und Kino zu sehen, in inzwischen über 30 Serien, 20 TV-Filmen und 25 Kino- und Kurzfilmen. 2017 war er Gewinner der 53. Grimme-Preis-Verleihung im Bereich Fiktion mit „Das weiße Kaninchen“ und 2023 wurde er mit dem Bremer Filmpreis ausgezeichnet für die Doku „Die Bergmanns“ über ihn und seinen Zwillingsbruder.
Als Dozent arbeitete Bergmann am Max Reinhardt Seminar in Wien (2016 und 2017). Im Moment steht er in seiner Wahlheimat Bremen bei verschiedenen Theatern auf der Bühne und inszenierte unlängst in Vegesack, in Delmenhorst und im Tabakquartier.
Jochen Schmidtmeyer
Kinder, wie die Zeit vergeht!
In dem Stück „Der Neurosen-Kavalier“ gab ich vor über 35 Jahren mein Debüt beim UnionTheater auf der Bühne. Nun darf ich hier die Regie führen – was für eine Ehre und was für ein Spaß! Ein Kreis schließt sich. Die Protagonisten in diesem Stück trauen sich etwas. Einfach mal machen. Vielleicht träumen auch Sie von der Bühne oder haben Lust, gemeinsam mit anderen hinter den Kulissen etwas auf die Beine zu stellen? Geben Sie sich einen Ruck – es kostet nur ein wenig Überwindung.
Die Proben finden übrigens zu theaterüblichen Zeiten statt, also dann, wenn andere schon auf dem Sofa liegen. Aber keine Sorge: Müdigkeit vergeht, Applaus bleibt. Und irgendjemand bringt immer Kekse mit. Vielleicht schreiben Sie ja in 35 Jahren von dem Stück, das Sie damals bei uns gesehen haben.
Wer weiß …
Gunnar Haberland
Nach dem Zivildienst absolvierte er von 2001 bis 2004 seine Schauspielausbildung an der Schule für Schauspiel Hamburg. Anschließend spielte er an namhaften deutschen Theatern wie dem Schauspielhaus Hamburg, dem Altonaer Theater und dem Theater in der Basilika. Von 2008 bis 2011 war er festes Ensemblemitglied der Bremer Shakespeare Company und trat auch danach noch als Gast in der Inszenierung von Timon aus Athen auf. Dieses Stück wurde 2012 zum World Shakespeare Festival Globe to Globe im Londoner Globe Theatre eingeladen und 2014 bei den 35. Duisburger Akzenten präsentiert.
Von 2014 bis 2018 war Gunnar Haberland regelmäßig auf der Bühne des Berliner Kriminal Theaters zu sehen, wo er als fester Gast-Schauspieler engagiert war. Für seine Rolle in Außer Kontrolle wurde er 2016 für den Goldenen Vorhang nominiert. Zusätzlich spielte er u.a. an Bühnen wie dem Theater der Altmark, dem Kampnagel, den Fliegenden Bauten Hamburg und bei den Clingenburg Festspielen.
Auch als Filmschauspieler machte er sich einen Namen. Er wirkte in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen mit, darunter Notruf Hafenkante (2010), Gibsy! Die Geschichte des Boxers Johann Rukeli Trollmann (2011), Gute Zeiten, schlechte Zeiten (2012), Aktenzeichen XY ungelöst (2015), Wende (2014) sowie It’s dark in the city (2015). Darüber hinaus ist er als Sprecher in Hörspielen und Computerspielen tätig. Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem The Whispered World (2009), Dishonored: Die Maske des Zorns (2012) und Dragon Age: Inquisition (2014).
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitet er als Rhetorik- und Präsentationstrainer sowie Coach mit dem Spezialgebiet Auftritt & Wirkung. Er lebt als freischaffender Schauspieler und Business-Trainer mit seiner Familie in Bremen.